Regionales

Bei uns im Erzgebirge  – Tradition und Moderne – Kontraste im Grenzland

Annaberg

Annaberg-Buchholz im Sommer

Annaberg-Buchholz und Umgebung, die Region Oberes Erzgebirge
Das Erzgebirge ist das dichtbesiedeltste Mittelgebirge Europas. Einstmals war es das rauhe Grenzgebirge zwischen Sachsen und Böhmen, von dunklen Wälder bewachsen, von Bären und Wölfen bewohnt, die nach und nach von Gebirgsbauern und Handwerkern verdrängt wurden.

Der echte Ansturm aber begann 1492, als die ergiebigen Silberfunde am Schreckenberg und in der Umgebung gemacht wurden, das „Berggeschrey“ aus allen Gegenden Deutschlands und darüber hinaus hoffnugsvolle Glücksritter, Bergleute, Händler “ und allerley hergelaufen Folk“ anzog und so zur Montanlandschaft wurde, repräsentiert von den ehemalig reichen Bergstädten, von denen Annaberg eines der bedeutendsten Zentren wurde.

Die Region liegt im Südosten Sachsens am Rande Deutschlands, fristet in der Europapolitik ein unbedeutendes Randdasein, läßt sich aber nicht so einfach an den Rand stellen. Die Erzgebirger sind fleißige, gesellige, überwiegend freundliche und heimatverbundene Menschen mit eigenem Dialekt, volkstümlichen Humor, Hang zur Gemütlichkeit und nicht so leicht kleinzukriegen.
Wahr ist auch, das es das „Weihnachtsland“ ist, und nirgendwo auf der Welt wird Weihnachten so komplex und volkstümlich gefeiert und ist so in der Kultur und dem Kunsthandwerk eingebunden wie hier. Der echte Erzgebirger grüßt noch immer mit dem alten Bergmannsgruß „Glück Auf !“.


hanselDer Hammerhansel

Der Stolz von unnerm Arzgebirg, e wahrer Edelstaa,
dos is dos alte Hammerwerk do unten in Frohnaa.
Gieh ich do bei dan Haus vorbei, bleib ich vor Ehrfurcht stieh
un denk’s muß noch wie früher sei u hör ne Hammer gieh.
Der alte Hammer, Hammer, Hammer Hammer in Frohnaa,
an den hammr, hammr, hammr unnre Freid halt dra.

So beginnt die erste Strophe des bekannten Hammerliedes, welches der unvergessene Johannes Schönherr, genannt Hammerhans, so oft über seinen geliebten Frohnauer Hammer sang.

Der Hammerhans war ein weitbekanntes erzgebirgisches Original, der in einer sehr engagierten, volkstümlichen und unübertrefflichen Art in über 35 Jahren mehrere millionen Besucher durch den ehrwürdigen Frohnauer Hammer führte, ihn erklärte und in Funktion vorführte.

Aber auch mit seinen Liedern und seinem hochmotivierten Engagement für den Frohnauer Hammer, unsere erzgebirgischen Heimat und Volkskunst wurde berühmt. Selbst im Fernsehen trat er mit seinem unverkennbaren Markenzeichen, dem Tirolerhut voller Abzeichen, der Lederschürze und der Zieharmonika auf. Ob bei Kulturveranstaltungen, dem Hammerfest oder dem „Tag der Sachsen“, wo er dabei war gab es gute Laune, Musik, Scherze und begeisterte Fans. Viele einfache Besucher, aber auch prominente Gäste hatten Kontakt mit ihm, und da konnte er so manche „Schnorken“, also lustige und interessante Geschichten erzählen.

Hammerführung

Silvesterführung 1978

Er war seit dem 11.November 1997 Ehrenbürger von Annaberg-Buchholz und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.
Über all die Jahre stand seine Frau Anneliese Schönherr treu und uneigennützig an seiner Seite, ebenfalls eine langjährige Mitarbeiterin im Frohnauer Hammer. Beide konnten 1999 noch ihre Goldene Hochzeit feiern.
Der in Lichtenstein / Sachsen am 21.12.1921 geborene Johannes Schönherr strab im Alter von
85 Jahren am 27. April 2007. Für viele aber lebt er in guter Erinnerung weiter.
Die 2004 gepflanzte Linde wurde zum Hammerfest 2006 in „Hammerhansel-Linde“ umbenannt.  Dort erinnert seit seinem 10.Todestag am 27.April 2017 ein Gedenkstein aus Basalt vom Pöhlberg, also Annaberger Urgestein, an ihn. Seine Frau Anneliese verstarb 2011.

Im Museum Frohnauer wird noch täglich bei den Führungen nach dem „Hammerhansel“ gefragt. Nicht nur Besucher, welche zum wiederholten male das alte Hammerwerk besuchen, sondern auch Menschen, welche ihn vom Fernsehen her kennen (Alles singt, Kessel Buntes), erinnern sich gen an ihn. Zur Erinnerung gibt es in „Langs Erzgebirgshaus“ noch immer die „Hammerhansel-Tropfen“ als Kräuterlikör.  Eine Initiative, einen kleinen neugestalteten Weg oberhalb seines ehemaligen Wohnhauses nach ihn zu benennen, wurde vom damaligen Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt. Begründung eines CDU-Ratsmitgliedes: “ Ich will keinen Menschenkult um den Hammerhansel“. Er meinte möglicherweise „Personenkult“, Dieses Wort ist ihm vielleicht nicht eingefallen. Statt dessen wurde der Weg „Zum Gasthofplatz“ benannt. Dies ist jetzt ein unbefestigter kleiner Parkplatz mit zusätzlich einigen Müllcontainern, den Gasthof gibt es seit über als 5 Jahrzehnten nicht mehr ! Eine vertane Gelegenheit zur Ehrung eines regional bedeutenden Bürgers.

85.Geburtstag

Gratulation zum 85.Geburtstag vom Hammerhans

Foto oben: Der Hammerhans, wie wir ihn kannten. (Foto . Knoblauch) Foto Mitte: Silvesterführung  Foto unten: Alte Freunde; Johannes Schönherr zu seinem 85. Geburtstag, Gespräch mit Dietmar Lang und Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch (v. links )